Günzburg nördlich der Alpen einmalig: Über 1800 römische Gräber

Römer-Funde in Günzburg
Mehr als 1800 Gräber aus römischer Zeit sind in Günzburg entdeckt und wissenschaftlich untersucht worden. Weltweit gibt es nur wenige Orte, an denen so viele Öllämpchen gefunden wurden wie in Günzburg. Foto: Greta Kaiser

 

Von Walter Kaiser
Zu den bedeutendsten Städten nördlich der Alpen zählt Günzburg. Klingt übertrieben? Ist aber wahr. Zumindest, was die Fülle und die Qualität der Funde aus römischer Zeit betrifft. Mit Unterbrechungen waren die Römer etwa 400 Jahre in Gontia  –  eine Zeitspanne, mit der nur wenige Städte konkurrieren können. Mehr als 1800 Gräber, angelegt zwischen dem ersten und dem fünften Jahrhundert nach Christus, sind in Günzburg gefunden worden  –  vor allem im Gewerbegebiet an der Ulmer Straße. Spektakuläre Funde wurden unlängst auch auf dem Lutz-Areal gemacht. Die Einzigartigkeit Günzburgs hat sogar die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) auf den Plan gerufen. Sie fördert ein wissenschaftliches Projekt, mit dem Günzburgs frühe Geschichte noch genauer erforscht werden kann.

Nördlich der Alpen einmalig: 1800 römische Gräber in Günzburg

Mehr als 1800 praktisch unberührte Gräber aus fast fünf Jahrhunderten, das ist nördlich der Alpen einmalig. In den Günzburger Gräbern sind bislang unter anderem mehr als 500 Öllämpchen entdeckt worden – „einer der größten Lampenfunde weltweit“, wie Landeskonservator Prof. Sebastian Sommer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege betont. Zu den besonderen Raritäten zählen ferner die mehr als 70 Spiegel, die an der Ulmer Straße ausgegraben worden sind. In den Gräbern haben die Archäologen auch mehr als 500 Münzen und eine Vielzahl von Gegenständen des täglichen Lebens gefunden. Und wunderbare Glasarbeiten. Einige der filigranen Günzburger Gläser sind so selten, dass sich selbst die großen Römermuseen die Finger nach ihnen lecken würden.
Die Fülle des Materials, zu dem auch die Skelette und Knochenreste der Toten gehören,  bietet die Chance, ein bislang  ungelöstes Rätsel zu entschlüsseln: woher kamen die Soldaten und Zivilisten, die ab dem letzten Drittel des ersten nachchristlichen Jahrhunderts in Gontia gelebt haben.

 

Landesamt untersucht Günzburger Funde

Es wird noch einige Jahre dauern, ehe alle Fragen beantwortet sind. Doch so viel steht schon fest – „es war ein buntes Völkergemisch“, wie Dr. Martin Grünewald erklärt. Er untersucht die Inhalte der frühen Günzburger Gräber in Thierhaupten, der Außenstelle Schwaben des Landesamtes für Denkmalpflege. Die Funde deuten darauf hin, dass die „Günzburger“ Soldaten aus Afrika, Frankreich und Spanien kamen, manche waren auch in Germanien rekrutiert worden. Sehr wahrscheinlich haben sie aus ihrer Heimat die Frau oder die Freundin mitgebracht, vermutlich auch die Händler und Handwerker, von denen die rund 1000 in Gontia stationierten Soldaten mit den Gütern des täglichen Bedarfs versorgt worden sind. Die ersten Untersuchungen haben auch gezeigt: die Handelsverbindungen Gontias reichten weiter als bislang angenommen. Etwa ihren Wein haben die Soldaten und die Bewohner der Zivilsiedlung bis aus Griechenland bezogen.

 

Historischer Verein Günzburg unterstützt Forschung

Die Arbeiten in Thierhaupten werden nicht nur vom Landesamt für Denkmalpflege und der deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert, sondern auch von der Stadt Günzburg und dem Historischen Verein. Museumsleiter Walter Grabert und der Vereinsvorsitzende Dr. Manfred Büchele waren deshalb in Thierhaupten, um sich nach dem aktuellen Stand der Untersuchungen zu erkundigen. Und danach, welche der noch aufwendig zu restaurierenden Funde in der geplanten neuen Römerabteilung im Heimatmuseum ausgestellt werden können.
Bei ihrem Besuch haben Büchele und Grabert auch erfahren, was es mit den Funden auf sich hat, die vor guten einem Jahr zu Beginn der Bauarbeiten auf dem Lutz-Areal gemacht wurden  – etwa 120 zentnerschwere Blöcke aus Eichenholz, Teile einer großen, rund 75 Meter langen Halle. Die Eichen, so haben die Analysen in Thierhaupten ergeben, wurden im Jahr 111 nach Christus in den Auwäldern an Günz und Donau rund um Günzburg geschlagen. Wozu die Halle genau diente, ist noch ungeklärt.
Die wissenschaftliche Untersuchung der Günzburger Grabfunde ist noch lange nicht abgeschlossen. Trotzdem hat Dr. Martin Grünewald schon jetzt eine Datenbank mit etwa 15 000 Vermerken angelegt. Günzburgs römische Geschichte ist eben reich und einzigartig.

 

 

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