Günzburg DFG Projekt

Günzburg DFG Projekt

 

Günzburg in Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

Der römische Friedhof in Günzburg mit knapp 2000 bis heute geborgenen Gräbern ist der größte in Süddeutschland – unversehrt seit 1900 Jahren im Ackerboden vor der Stadt bis zu Beginn der großen Ausgrabungskampagnen vor 40 Jahren. Andere Städte mögen ursprünglich eine viel größere Bevölkerung gehabt haben (Beispiele: Augsburg, Mainz, Köln), ihre römischen Friedhöfe sind aber mit der Ausweitung der Städte in Mittelalter und Neuzeit weitgehend verloren gegangen – Bodendenkmalschutz gab es damals noch nicht. Die Einzigartigkeit Günzburgs wird noch dadurch gesteigert, dass die Römer seit ihrem Vordringen über die Alpen unter den Kaisern Augustus und Tiberius in Günzburg blieben bis zum Ende ihrer Herrschaft ca. 450 n.Chr. – 400 Jahre! Für Württemberg und Baden gilt das z.B. nicht, dort war die römische Herrschaft im Raum Iller – Bodensee – Rhein mit dem Alamanneneinfall schon um 260 n.Chr. beendet.

 

Das römische Günzburg als Forschungsprojekt

Die herausragende Stellung Günzburgs für die provinzrömische Geschichte ist von hoher Attraktion für die Forschung. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die renommierteste aller deutschen Forschungseinrichtungen, hat deshalb jüngst das römische Günzburg in ein Forschungsprojekt aufgenommen. Wir zitieren auszugsweise aus dem diesbezüglichen Brief des Landeskonservators Prof. Dr. Sebastian Sommer an den Historischen Verein: „ … mit Freude kann ich mitteilen, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG mit Schreiben vom 4.10.12 ein Projekt „Gontia als Melting pot? – Die Zusammensetzung der militärzeitlichen römischen Bevölkerung Günzburgs im Spiegel der Gräber. Ein Modell für Raetien“ genehmigt hat. Dabei handelt es sich um Teilprojekt 7 eines Forschergruppenantrags unter Leitung von Frau Prof. Dr. Grupe von der Anthropologischen Staatssammlung mit dem Titel „Transalpine Mobilität und Kulturtransfer. Erstellen eines Isotopenfingerabdrucks für bioarchäologische Funde, insbesonders Leichenbrand und seine Applikation auf archäologisch-kulturhistorische Fragestellungen in der Spätbronze- bis Römerzeit“ … Im Rahmen des von mir zusammen mit Herrn Prof. Dr. Czysz und Dr. George McGlynn von der Antropologischen Staatssammlung München beantragten Teilprojekts
7 besteht nun endlich die Chance, mit der Bearbeitung des seit 1978 ausgegrabenen Friedhofs mit insgesamt mehr als 1800 Gräbern zu beginnen, zumindest mit den ältesten ca. 600 Gräbern. Wir hätten damit den schon lange gesuchten Einstieg in die wissenschaftliche Bearbeitung und Vorlage dieses ganz besonderen Befunds gefunden.“ Soweit die wichtigsten Zeilen aus dem Schreiben von Prof. Sommer.

 

Perspektive: Römische Abteilung im Museum

Das Forschungsprojekt ist im Laufe des Jahres 2014 voll angelaufen. Die wissenschaftliche Bearbeitung erfolgt in Thierhaupten, der Außenstelle des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Dort stehen alle notwendigen Räume und Spezialgeräte zur Verfügung. Unser römisches Depot – ca. 1800 Gräber, in Schachteln im Museum an der Rathausgasse sorgfältig aufbewahrt – ist deshalb in der Zwischenzeit mit Einverständnis der Besitzer, des Historischen Vereins, der Stadt Günzburg und des bayerischen Staates, nach Thierhaupten ausgelagert worden. Die Ergebnisse des DFG-Forschungsprojekts werden wir selbstverständlich auch in unsere künftige neue römische Abteilung im Keller unseres Museums einfließen lassen.

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