Buchneuerscheinung: Günzburg im 19. Jahrhundert

Aktuelles am März 2017 ,
Buch 2017 Historischer Verein Günzburg
Eine bedeutende Künstlergruppe des 19. Jahrhunderts waren die Nazarener. Einer ihrer Vertreter war der gebürtige Reisensburger Georg Lacher, zu dessen bekanntesten Werken die Gemälde am Reisensburger Kreuzweg zählen. Über die Geschichte der Nazarener, die Günzburger Landwehr und den 200 Jahre alten Stadtpark informiert das jüngste Buch des Historischen Vereins. Foto: Greta Kaiser

 

 

 

 

 

 

Neuer Band des Historischen Vereins Günzburg: Günzburg im 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert war eine bewegte und widersprüchliche Epoche – einerseits geprägt von industriellen und politischen Revolutionen, andererseits bestimmt vom Rückzug ins Private und Romantische. Und der Neuentdeckung der Natur. Der Aufstieg des Besitz- und Bildungsbürgertums ging einher mit der Ausprägung von Kapitalismus und Imperialismus sowie mit der schwindenden Bedeutung von Adel und Kirche. „Günzburg im 19. Jahrhundert“ heißt der neue Band, den der Historische Verein Günzburg herausgegeben hat. In drei Beiträgen werden unterschiedliche Aspekte der Stadtgeschichte Günzburgs beleuchtet: das künstlerische Schaffen der Nazarener, die städtischen Grünanlagen und die Landwehr.

Beginn der säkularen Gesellschaft

In weiten Kreisen der Bürgerschaft verlor die Kirche im 19. Jahrhundert an Einfluss. Die säkulare Gesellschaft nahm ihren Anfang. In entgegengesetzter Richtung bewegten sich die Maler, Bildhauer und Schnitzer des Lukasbundes. Sie wollten aus einer tiefen christlichen Gesinnung heraus Kunst und Religion vereinen. Seelische Reinheit und zeitlos-ideale Schönheit sollten sich in ihren Werken verbinden.

Führende Nazarener aus der Region Günzburg

Wegen ihrer christusähnlichen und an Dürer und Raffael erinnernden Haartracht wurden die Mitglieder des Lukasbundes in Italien „I Nazareni“ genannt. Führende Vertreter dieser Stilrichtung stammen aus der Region Günzburg – unter ihnen der Reisensburger Georg Lacher, Johann Schmid aus Waldstetten oder Alois Egenberger aus Harthausen.

Autorin Undine Fischer: Das Schaffen heimischer Nazarener

Eine umfangreiche Sammlung von Nazarener-Werken ist im Günzburger Heimatmuseum ausgestellt. Das Schaffen heimischer Nazarener stellt Autorin Undine Fischer in dem neuen Buch ebenso detailliert und in Form von Fotos anschaulich vor wie die philosophischen, religiösen und kunsttheoretischen Hintergründe der Nazarener.

Autorin Julia Neudeck: Günzburger Stadtpark weit bekannt

Zu Beginn des 19. Jahrhundert wurde in Günzburg eine weit über die Grenzen der Stadt hinaus einzigartige Anlage geschaffen: der Stadtpark von der heutigen Dillinger Straße bis zur Märchenwiese gegenüber dem Bezirkskrankenhaus. Vor 200 Jahren waren die Städte – Günzburg machte da keine Ausnahme – eng und muffig.

Zur Erholung, Erbauung und geselligen Begegnung der Bürger wurden Anfang des 19. Jahrhundert auf Initiative von Gottlieb von Greyerz die städtischen Grünanlagen auf dem damals so benannten Michelsberg angelegt. Der Löwenbrunnen, ein Pavillon, Flanierwege und drei Bierwirtschaften bildeten einst das Zentrum des Parks, der selbst Bürger aus Ulm angerlockt hatte, bis vor kurzem aber eine wechselvolle und in die Verwilderung führende Geschichte durchlebt hat, wie Autorin Julia Neudeck in ihrem Buchbeitrag darlegt. Zu Ehren von Gottlieb von Greyerz wird im Sommer dieses Jahres ein Denkmal im Stadtpark eingeweiht.

Autor Felix Guffler: Die Günzburger Landwehr

Der dritte und kürzeste Artikel des Buches stammt von Felix Guffler. Beim Durchforsten des Günzburger Stadtarchivs stieß er auf ein achtseitiges Heft, in dem die Antrittsrede des ehrenamtlichen Landwehrkommandanten Carl Grashey von 1836 enthalten ist. Grashey war ein geachteter Günzburger Bürger – als Poststallmeister, Mitbegründer der Theatergesellschaft von 1815 und letztlich Kommandant der Günzburger Landwehr. Sie war Teil der bayerischen Armee und vorrangig mit polizeilichen Aufgaben in der Stadt betraut.

Das Interessante an dem Heft über die Landwehr: Es ist verziert mit Federzeichnungen. Mutmaßlich stammen sie von dem Günzburger Schneidermeister Mathias Vogg. Sie sind ein bisschen ungelenk, illustrieren aber in wesentlichen Teilen die Uniformierung und Bewaffnung der früheren Landwehrsoldaten.

Neues Buch des Historischen Vereins Günzburg: Lehrreiche Lektüre

Fazit: Das neue, 120 Seiten umfassende und reich bebilderte Buch des Historischen Vereins Günzburg rückt vergessene oder lange nicht beachtete stadtgeschichtliche Aspekte ins Licht der Öffentlichkeit – eine ebenso leicht verständliche wie lehrreiche Lektüre.

 

Das Buch „Günzburg im 19. Jahrhundert“, ISBN 978-3-00-055810-8, ist zum Preis von 11 Euro in der Buchhandlung Hutter in Günzburg erhältlich.

 

Von Walter Kaiser

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